Autor: A. Schöps

Früher war mehr multikulti,

meinte jedenfalls die Führerin der Klasse HB18h durch die Ausstellung „Kaiser und Sultan, Nachbarn in Europa 1600 bis 1700“. Einblicke in die Kultur des osmanischen Reiches vermittelt diese Ausstellung ebenso wie Zeugnisse der Begegnung der christlich-abendländischen Welt mit muslimisch-morgen-ländischer Kultur. Kleidung, Waffen, Zelte, Gebrauchsgegenstände aus dem Herzen Europas, die schon optisch verraten, dass sie genauso wie der Kaffee selbst den Weg nach Wien über das osmanische Reich in unsere Breiten gefunden haben. Für manchen heutigen Dresdener vielleicht verwunderlich, dass sich August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, Kleidung mit orientalischen Einflüssen für großen Bälle schneidern ließ, weil in dieser Zeit der polnische Hochadel seine Abstammung von iranischen Stämmen ableitete und orientalisch einfach als modern und chic galt.

Deutlich wird in der Ausstellung im Badischen Landesmuseum aber auch, dass Krieg damals ständiger Begleiter der Menschen war. Da gab es nicht nur die berühmte Schlacht am Kahlenberge 1683, als der polnische König Johann III Sobieski das von 120000 osmanischen Soldaten belagerte kaiserliche Wien befreite (und ein wunderschönes von den Belagerern zurückgelassenes Zelt mit nach Polen nahm, das nun in der Karlsruher Ausstellung zum ersten Mal außerhalb Krakaus zu sehen ist und allein den Besuch der Ausstellung wert ist). Aufgerüstete Armeen standen sich in diesem Jahrhundert ständig gegenüber, waffentechnische Entwicklungen der einen Seite wurden schnell auf der anderen Seite übernommen. Auch tief in die Familien griff die Militarisierung der Gesellschaft ein. Die Janitscharen, bekannt berüchtigte Fußsoldaten in der Armee des Sultans, waren als Kinder ihren christlichen Eltern auf dem Balkan weggenommen und zwangsislamisiert worden. Dieses Drama der Kindheit führte zwar manchen Janitscharen bis in die Spitzen des osmanischen Reiches. Aber mehr oder weniger verschleppte Kindersoldaten waren sie doch.

Vielfältige Eindrücke vermittelt diese sehenswerte Ausstellung in Karlsruhe noch bis zum 19. April. Bedauert haben alle Schülerinnen und Schüler der HB 18h bei diesem Ausflug im Rahmen des Abraham-Pokals, dass das Fotografieren in der Ausstellung verboten ist. Wunderbare Motive für Facebook, Instagram oder Snapchat hätte es gegeben, so blieb es nur bei einem Gruppenbild auf der Schlosstreppe vor dem Ausstellungsplakat und einem vor der Puppe des badischen Markgrafen, kein Vergleich mit dem Prunk innerhalb der Ausstellung. Der Besuch endete mit dem Aufstieg auf den Turm des Schlosses, der uns einen wunderbaren Überblick über die Fächerstadt vermittelte.

 

 

Ausflug der HB 18h im Rahmen des Abraham-Pokals am 10. Dezember 2019 ins Badische Landesmuseum Karlsruhe zur Ausstellung Kaiser und Sultan, Nachbarn in Europa 1600 bis 1700, mit vielen Exponaten aus der osmanisch beeinflussten Kultur des 17. Jahrhunderts.

https://www.landesmuseum.de/kaiser-und-sultan