BBSW2 nimmt an der bundesweiten Leitkonferenz für Zukunftsbildung teil

EduAction 2018 – Bildungsgipfel Rhein-Neckar – so heißt eine große Veranstaltung, die am 25. und 26. Oktober 2018 im Rosengarten in Mannheim zum zweiten Mal sehr erfolgreich stattgefunden hat. Die knapp 1.500 Teilnehmer aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Forschung, Sozialen Einrichtungen und Politik diskutierten gemeinsam über das Motto: „WeQ – more than IQ, Zukunftskompetenzen gemeinsam entwickeln”. Ergebnis dieses Treffens war ein kompetenter und vielseitiger Austausch unter allen Beteiligten. Es wurde eine zuversichtliche Perspektive auf den bevorstehenden Bildungswandel vermittelt, gleichzeitig aber auch mahnend hervorgehoben, dass das Thema besonders bildungspolitisch noch große Hürden birgt.

In zahlreichen Keynotes, Workshops, Impuls-, sowie Best-Practices-Veranstaltungen wurde an zwei Tagen sehr produktiv an den verschiedensten Themengebieten gearbeitet. Ein großer Fokus lag dabei auf der Vorstellung erfolgreicher Bildungsinnovationen als auch dem explizit erwünschten Networking der einzelnen Akteure. Die Themenbereiche spannten sich sehr breit im Rahmen von “Digitize your school”, der erfolgreichen innovationen Arbeitsmethode “Design Thinking”, der Förderung von Beziehungskompetenz an Schulen sowie dem Thema “Würde - Was uns stark macht als Einzelne, als Gemeinschaft und als Gesellschaft”, um nur einige wenige Themen zu nennen.

„Wir brauchen den Wandel von einer Welt der Silos, in der Wissen eingelagert wird und schnell an Wert verliert, zu kommunikativen und kollaborativen Kompetenzen.“

(Prof. Dr. Andreas Schleicher, Bildungsdirektor der OECD)

In einem beeindruckenden und kurzweiligen Vortrag skizzierte beispielsweise Prof. Dr. Schleicher, Bildungsdirektor der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) zum einen, in welchen Feldern das deutsche Bildungssystem gut für die Zukunft aufgestellt ist, zum anderen wies er aber auch auf extreme Defizite hin, welche dringend im Rahmen der Digitalisierung und Globalisierung für eine Transformation des Standortes Deutschland notwendig sind. Anstatt in Hierarchien zu denken und zu handeln, wird es von großer Wichtigkeit sein, sich ein Netzwerk aus den verschiedensten Bereichen aufzubauen und sich im Rahmen von gut entwickelten soft skills (sozialen Kompetenzen) zu bewegen. Vernetztes und transparentes Arbeiten wird unentbehrlich sein. Stand früher Faktenwissen im Vordergrund, so sind heute Kompetenzen wie Teamgeist und unternehmerisches Denken gefragt. Aber wie bereitet man Kinder auf Berufe vor, die es heute noch gar nicht gibt, die in absehbarer Zeit auf Grund der Digitalisierung dennoch benötigt werden? Welche agilen Zukunftskompetenzen gilt es zusätzlich zur Lehre von zukunftsrelevantem Wissen zu vermitteln?

EduAction und Berufsausbildung

Solche und ähnliche Fragen wurden auch von Vertretern aus der Wirtschaft gestellt, insbesondere von den großen Unternehmen in der Metropolregion Rhein-Neckar. Sie wiesen eindringlich darauf hin, dass sich dringend etwas in der Ausbildung und Weiterbildung von Mitarbeitern ändern müsse, denn nicht nur die Digitalisierung, sondern auch die Tatsache der Heterogenität der Auszubildenden sorge immer mehr dafür, dass Profile und Ziele individuell angepasst werden müssten. Die Unternehmen beschäftigen u.a. die folgenden dringenden Fragen:

  • Wird betriebliches Lernen zukünftig durch virtuelle Lernräume ersetzt?
  • Wie gehen wir mit nahezu unbegrenzt verfügbarem Wissen um?
  • Wie schaffen wir es, der Individualität jedes Auszubildenden und jeder Auszubildenden gerecht zu werden, um das Potenzial eines jeden optimal ausschöpfen zu können?
  • Was bedeutet das für die Ausbildenden?

Weiterhin wurde beispielsweise ein gelungenes Projekt für die Berufsorientierung vorgestellt. Unter dem Titel “Dein erster Tag – Virtual Reality” (www.deinerstertag.de) wurden kurze 360-Grad-Filme vorgestellt, mit denen junge Menschen Berufswege und Unternehmen kennenlernen können, zu denen sie sonst keinen Zugang gehabt hätten. Auch für Unternehmen bietet dies im Zeitalter des Fachkräftemangels die Chance, die Türen ihrer Produktion, der Büros oder Betriebsstätten digital zu öffnen und sich zukünftigen Fachkräften hautnah vorzustellen.

„Wie bereiten wir Menschen auf Herausforderungen vor, die gegenwärtig noch nicht existieren, auf die sinnvolle Nutzung von Technologien, die noch gar nicht entwickelt sind, und auf die Lösung von Problemen, von denen wir heute noch nicht wissen, dass sie entstehen werden?“

(Prof. Dr. Werner Sauter, Experte für kompetenzorientierte Lernsysteme)

Ein weiterer Workshop beschäftigte sich mit dem Thema Berufsberatung, da diese in Zeiten von Fachkräftemangel, Ausbildungs- und Studienabbrechern sowie Orientierungslosigkeit ebenfalls im Wandel steht. Und so muss auch da der Wandel vom reinen Wissensvermittler zum “Talentmanager” vollbracht werden. Wie gelingt es also, jungen Menschen den Übergang von Schule in Beruf und Studium zu ermöglichen? Viel Wissen wurde den Schülern und Schülerinnen an der Schule vermittelt und sie haben viel Detailwissen angesammelt, doch was haben die Schüler und Schülerinnen über sich selbst dabei gelernt? Welche Stärken und schlummernden Talente bringen sie mit, um einen guten Einstieg ins Berufsleben zu finden? Wie gelingt es Lehrkräften und Familie, diese Navigationskompetenzen auszubilden? Dies war beispielweise nur ein Thema, was ambitioniert von Vertretern/ innen aus ganz Deutschland diskutiert wurde.

Am Ende des Bildungsgipfel herrschte mehrheitlich Zuversicht unter den Teilnehmern/innen, da man den Eindruck hatte, dass sich insgesamt in Deutschland viel tut und die engagierte Arbeit vieler Einzelner bald mehr als ein zartes Pflänzchen im deutschen Bildungsalltag sein wird. "Laut einer Weltbank-Studie werden 60 Prozent der heute 15-Jährigen später in Berufen arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt", sagt Roman Rüdiger, Geschäftsführender Vorstand der Bildungsinitiative "Education Y", und bringt damit die Herausforderung auf den Punkt. Einerseits müssen die Weichen für morgen schon heute gestellt werden. Andererseits: Wer weiß schon, was die Zukunft bringt?

Wer weitere Informationen rund um den Bildungsgipfel sucht, kann gerne die Seite von edu-action.de bzw. von goodimpact.org besuchen und sich weiter inspirieren lassen. Für Informationen rund um das Engagement der BBSWII zum Thema Digitalisierung und dem Weg in das neue Bildungszeitalter, kann man auch auf unserer Webseite mehr Informationen zu den folgenden Themen finden:

  • Hospitationsschule für digitale Arbeitsgeräte (Smartboards, Dokumentenkameras, Tablet-Klassensätze etc.)
  • EQuL (Schulentwicklungsprojekt mit dem Ziel der Stärkung von Eigenverantwortung, Qualitätsmanagement und Lehr- und Lernkultur)
  • Medienscouts (Schüler beraten Schüler zum Thema Chancen und Risiken des Internets, Mobbing, Sucht, Urheberrecht, etc.)

Text: A. Lenk